Traumatherapie

Das peripartale Trauma ist leider keine Seltenheit. Dennoch wird in unserer Gesellschaft auch heutzutage immer noch viel zu selten darüber gesprochen – sei es aus Unsicherheit, Angst vor Stigmatisierung und nicht zuletzt auch wegen dem überwältigenden Schmerz der Erinnerung oder möglichen Scham- und Schuldgefühlen.

Rund 50 % der schwangeren Frauen sehen sich unter der Geburt mit belastenden Erlebnissen konfrontiert und bis zu 5 % der Betroffenen entwickeln in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung, die professionelle Unterstützung erfordert. Traumatherapie kann in diesen Fällen eine spezialisierte Therapieform bieten, welche die betroffene Mutter dabei unterstützt, eigene Selbstheilungskräfte zu aktivieren und belastende, überwältigende Erfahrungen zu verarbeiten – mit dem übergeordneten Ziel, die seelischen Folgen des Traumas zu reduzieren und langfristig zu heilen.

Es braucht keine Diagnose, um professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – allein das subjektive Erleben ist entscheidend!

Die Traumatherapie folgt einer phasenorientierten Struktur, die in vier Schritte eingeteilt und individuell dem persönlichen Prozess sowie Tempo der betroffenenen Person angepasst werden kann:

  1. Orientierung – verstehen, was passiert ist: In dieser Phase wird aktiv eingeordnet, was genau geschehen ist und mittels theoretischem Hintergrund erklärt, weshalb und wie ein Mensch auf ein Trauma reagiert. Oft kann nach dieser Erkenntnis schon viel Druck abfallen sowie besser akzeptiert und damit umgegangen werden, dass starke körperliche wie psychische Reaktionen sehr verständliche und normale Folgen auf ein extremes Erlebnis sind.
  2. Stabilisierung – Sicherheit im Hier und Jetzt erlangen: Das Ziel dieser Phase ist, innere Sicherheit zurückzugewinnen und dank Selbstregulation sowie Selbstwirksamkeit wieder Kontrolle über Gefühle und allfällige Trigger zu halten. Es werden Techniken zur Beruhigung und zum Umgang mit Symptomen gelernt wie auch Atem-, Körper- und Imaginationsübungen beigebracht. Erst wenn genug Stabilität erreicht ist, kann und darf in die eigentliche Verarbeitung des Traumas übergangen werden.
  3. Konfrontation – gezielte Verarbeitung: Der Sinn dieser Phase ist nicht, das Trauma nochmals durchzuleben oder es „auszulöschen“, sondern belastende Erinnerungen neu zu verarbeiten, das Vermeidungsverhalten zu durchbrechen sowie die Symptome der PTBS und deren Auswirkungen im Alltag zu lindern.
    Die Annäherung an den belastenden Moment erfolgt vorsichtig, dosiert und im eigenen Tempo. Es wird mit Bildern, Körpererinnerungen sowie Gefühlen gearbeitet und anhand therapeutischer Methoden wie bilateraler Hemisphärenstimulation (EMDR) bestenfalls erreicht, dass Erinnerungen neu verknüpft und abgespeichert werden, und sich folglich nicht mehr so anfühlen, als ob sie gerade „im Hier und Jetzt“ passieren: Die Erinnerung bleibt, aber sie verliert ihre überwältigende, belastende Wirkung und kann in der eigenen Biografie als „vergangen“ anerkannt und akzeptiert werden.
  4. Integration – einordnen und neu bewerten: Das Hauptziel der Traumatherapie und der letzten Phase ist, dass das traumatische Ereignis in die Lebensgeschichte eingebunden und nicht mehr als überwältigenden Schmerz empfunden wird, welcher das aktuelle Leben allgegenwärtig bestimmt. Die Belastung und Trigger werden nachhaltig reduziert und erworbene Strategien zur Selbstregulation in Stärken und Ressourcen umgewandelt. Diese Selbstwirksamkeit fördert die Selbstbestimmung sowie das Vertrauen in den eigenen Körper, und Lebensqualität sowie neue Zukunftsperspektiven können (zurück) gewonnen werden.
    Gerade mit Fokus auf die peripartale Zeit wird das Selbstvertrauen der Mutter in ihrer neuen Rolle unmittelbar gestärkt und nicht zuletzt der Aufbau einer sicheren Mutter-Kind-Bindung massgeblich positiv unterstützt.