Vorwort
In den Unterkapiteln dieser Rubrik werden Situationen geschildert, die peripartal zu Traumata führen können. Vielleicht hast Du ganz Ähnliches erlebt und erkennst Dich in den Beispielen wieder. Sollte Dich der thematische Inhalt aufgrund Deiner eigenen Erfahrung zu sehr aufwühlen und Dich triggern, dann halt bitte inne und lass diese Seiten aus. Die beiden Selbsttests können Dir eine gute Möglichkeit bieten, Dich Deinem eigenen Thema auf eine sanfte Weise anzunähern. Ich möchte Dich gerne ermutigen, Dich in der Folge zu einem für Dich passenden Zeitpunkt bei mir zu melden.
Einstieg
Der Begriff peripartal stammt aus dem Lateinischen und bezeichnet die medizinischen oder psychischen Vorgänge, die im Zeitraum vor, während oder kurz nach der Geburt im Wochenbett auftreten.
Der Übergang zur Mutterschaft – und der damit verbundene peripartale Zeitraum – stellt für die Frau eine sehr spezielle und oft auch herausfordernde Phase in ihrem Leben dar. In der Schwangerschaft finden wegen der hormonellen Umstellung sowie dem wachsenden Baby im Bauch fortlaufend körperliche Veränderungen statt, und auf emotionaler sowie psychischer Ebene kann es deswegen zu intensiven inneren Auseinandersetzungen kommen.
Im Moment der Geburt des Kindes gipfelt schliesslich diese lebensverändernde Transformation, und je nach Verlauf sowie subjektivem Erleben kann der Geburtsprozess körperlich wie seelisch sehr viel von der Frau abverlangen.
Direkt im Anschluss an die Geburt folgt die Zeit des Wochenbetts, welche die körperliche Heilung und Regeneration der Mutter sowie das Kennenlernen des Babys und der neuen Lebensumstände umfasst. Besonders im Fokus liegt die Ernährung und das Gedeihen des Kindes sowie der Aufbau der Eltern-Kind-Beziehung. Da dieser Zeitraum erneut von hormonellem Umschwung und meist chronischem Schlafmangel geprägt ist, kann auch diese Phase anstrengend und fordernd sein.
Unter all diesen anspruchsvollen Umständen und Veränderungen liegt es nahe, dass die (werdende) Mutter in der peripartalen Zeit besonders vulnerabel und schützenswert ist. So können bedrohliche Ereignisse in diesem Lebensabschnitt extrem einschneidend wirken und in traumatischen Schwangerschaftserlebnissen oder Geburtstrauma resultieren. Zudem können schwangerschaftsbezogene Trigger frühere traumatische Erinnerungen wachrufen und Traumata diversen Ursprungs plötzlich „wie aus dem nichts“ reaktivieren. Unbegleitet und unbehandelt kann beides zu langfristigen psychischen Folgen wie PTBS, Wochenbettdepressionen oder Angst- und Bindungsstörungen zum Kind führen, und sogar über Generationen weitergegeben werden.
Ich bin davon überzeugt, dass aus all diesen Gründen der Fokus in der profesionellen peripartalen Begleitung auf der Identifikation von Risikoschwangeren und vortraumatisierten Frauen liegen soll. Denn mittels präventiver, traumasensibler Begleitung sowie frühzeitiger Versorgung peripartaler Traumata kann die psychische Gesundheit der Mutter und der ganzen Familie massgeblich positiv beeinflusst als auch nachhaltig gefördert werden.
